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Heimspiel – gemütlich, beschwingt

Günther Sigl sorgte bei der Vorstellung seiner Solo-CD für ein volles Haus inLandsberg. Schon das Plakat zur aktuellen Promotiontour für die neue CD versprüht untrüglich den Charme einer Plattenhülle der Sechziger. „Habe die Ehre“ bewegt sich auch musikalisch in den Gefilden der Tanzmusik aus der guten, alten Zeit. Günther Sigl, bekannt und berühmt als Frontman der Spider Murphy Gang überrascht bei seinem Solodebüt auch in seiner einstigen Heimatstadt nicht. Die Lieder erinnern ein bisschen an Bill Ramsey, Catharina Valente, Big-Band-Sound und die frühen Beatles. Der 1947 in Schongau geborene Sänger hält mit dem Soloprogramm ein klein wenig Rückschau auf sein Leben, beschäftigt sich aber auch auf die bekannte, leicht ironische, Weise mit aktuellen Themen. So besingt er Papst Benedikt ebenso wie Angela Merkel und nimmt in zwei Liedern Bezug auf den Medienwahn der Castingshows.
Nicht nur die in den ersten Sitzreihen reichlich vertretene Verwandtschaft, macht das Konzert zu einem Heimspiel, dem entsprechend gutgelaunt und spielfreudig aufgelegt erscheinen die Musiker. Und Günther Sigl erzählt vom Baden im Inselbad, von der ersten Schallplatte, die ihn fesselte, in der Musiktruhe seiner Tante und aus seiner Schulzeit.
Auch bei seinem Solo-Debüt ist Günther Sigl nicht allein. Neben dem Gitarristen aus der aktuellen Spider-Besetzung, Willie Duncan, wird er von Wolfgang Götz am E-Piano und Dieter Radig am Schlagzeug, begleitet. Seine Musikerfreunde sind hervorragende Handwerker auf ihren Instrumenten. Willie Duncan hat hinter sich eine beeindruckende Reihe von sieben Gitarren aufgebaut, die er alle hervorragend spielt und mit denen er, in einzelnen Solopartien, begeistert. Wolfgang Götz, der vor langer, langer Zeit einmal Domspatz war, liefert mit Klavier, Orgel und Akkordeon immer die passende Begleitung und Dieter Radig hinter einem auf das Wesentliche reduzierten Schlagzeug gibt den Takt an. Zusammen spielen die Vier unverfälschte Livemusik, die man sich sehr gut in einem Cafe, einer Eisbar oder einem Retro-Tanzschuppen vorstellen kann. Schließt man die Augen entstehen unweigerlich Bilder von schwingenden Petticoats, Nierentischchen und Kleinwagen in Bonbonfarben, begleitet von dieser Musik, die aus einer Musikbox schallt. Im ausverkauften Stadttheater springt da nur schwer der Funke über. Der Rhythmus, zwischen Disko-Fox und Cha-Cha-Cha wechselt nur hin und wieder zu mitreißenden Rock´n Roll oder Boogie. Doch sobald Günther Sigl und seine Freunde einen der Hits aus den erfolgreichen Zeiten der Spiders anstimmen, kommt Bewegung in das Publikum, es wird mitgeklatscht, teilweise mitgesungen und zuletzt das Lied bejubelt. Der Rote Faden des Programms ist das Leben eines Musikers, der aufwuchs, zwischen Schlagermusik, Den Radiosender der Besatzungsmacht und den Anfängen des Rock´n Rolls. Thematisch und stilistisch zitiert er die Musik der Wirtschaftswunders, der Flowerpowerzeit, Elvis, die Beatles und natürlich die Neue Deutsche Welle. All das präsentiert Günther Sigl auf die von ihm bekannte sympathische Art etwas zu jugendlich locker für seine 63 Jahre und im typischen „Bayrisch-light“, das jeder verstehen kann. Gleichzeitig erscheint einem der Abend aber auch als eine Hommage an München, den zwischen viel „Baby“ und „Duhuhu“, ist immer wieder von Schwabing, vom Englischen Garten und der fast italienischen Lebensart der Metropole die Rede. Als Solokünstler wird es Günther Sigl nur schwer gelingen aus dem übermächtigen Schatten der Spider Murphy Gang herauszutreten. Er erweckt aber auch nicht den Eindruck, als würde er das unbedingt wollen. Was bleibt ist ein netter Abend mit unterhaltsamer Musik, der Dank fünf Zugaben, für das begeisterte Publikum, fast nicht enden wollte.

snow

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